can u feel it?

2008 – 09

mounted birds and other animals, mixed media

life size

In der Serie ‚can u feel it?‘ spielen taxidermierte Tiere die Hauptrolle. Sie sind die Personata, die als unterschiedliche Zitate aus Kunstwerken bzw. der Kunstwelt stammen.

Beispielsweise bei den beiden Arbeiten (‚Schöne Grüße von G.U.‘ und ‚more regards from G.U.‘), die sich auf die Nagelarbeiten von Günther Uecker beziehen. Allerdings auf einer weit körperlicheren Ebene, als dies bei den Bildern von Uecker zu spüren ist. Während dort der Nagel stets nur Materialien, nämlich Leinwand auf Holz penetriert, ist es hier ein Körper. Dies ist für den Betrachter wesentlich gefährlicher, ja berührender. Wir spüren fast den Nagel selbst.

Das Werk ‚Schöne Grüße von G.U.‘ ist dabei das weitaus Unangenehmere. Der überdimensional große Nagel penetriert den kleinen Vogel anal und löst im Betrachter unweigerlich Vorstellungen aus, die sich mit mittelalterlichen Folterszenen messen können. Die Nägel des Werks ‚more regards from G.U.‘ dagegen sind auf dem ganzen Körper der Ente verteilt und bilden eher eine Wolke oder einen Heiligenschein um das Tier herum.

‚Sir Thomas‘ und ‚Lady Winingham‘ scheinen adlige Personen von Gemälden des 18. Jahrhunderts aus England auf’s Korn zu nehmen. Beide tragen eine Art Kleidung aus Stoffen gefertigt, dazu passende Kopfbedeckungen, bei ‚Sir Thomos‘ krönt diese sogar, Spitze der Ironie, einen Hahnenfeder.

‚Le Roi‘ – Der König ist ebenfalls eine Ente, die stolz eine lange Stola aus echtem Hermelin-Fell trägt, einst dem König vorbehalten.

Weniger tief in der Historie stecken weitere Arbeiten. So gibt es einen ‚Detektiv‘, eine Wasserratte, die sich auf die Hinterpfoten erhoben hat und in einen schwarzen Kunstledermantel gekleidet ist. ‚Padaung‘ ist ein Eichhörnchen, das um den Hals einen Wickel von Kupferdraht trägt und erinnert an die sog. Giraffenhalsfrauen des Paduang-Volks in Bergregionen von Myanmar. Diese tragen die Messingringe heute vor allem für Touristen.

Eine Taube in Pergament (Ziegenhaut) eingenäht, verkörpert die ‚haute coture‘ – die hohe Schneiderkunst. Ein Rotkehlchen bewacht ein Nest mit Perlenkette. Es sitzt zusammen mit dem Nest in einer abschließbaren Plastikbox, jedes in seiner Abteilung. Eine Elster ohne Schwanz hat Platz genommen auf einer bunt bestickten Handtasche. Wohnt sie darin? Ist es ihr Nest oder hat sie sich nur kurz dort nieder gelassen?

Die Arbeit ‚Schrankamsel‘ ist eine Arbeit, die sich mit Zurückgezogenheit und der vermeintlich heilen Welt von früher beschäftigt, als eine junge Frau noch einen ganzen Schrank voller Wäsche als Aussteuer in die Ehe mitnahm. Und diese Wäsche meist auch selbst herstellen musste.

Die Werke zeigen eine ironisierende und nachdenklich stimmende Ideenwelt, die uns unsere Wahrnehmung, bzw. eben diese fehlende, von Kunstwerken bzw. Moden wieder einmal deutlich macht. Jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Humor und einem Augenzwinkern.                                                            (S.N.)