joyful memory

2009

Bundeswehrtaschentücher, Sperma, Goldfarbe

ca. 50 x 50 cm

Eine kleine Ausstellung vor Jahren, ein Skandälchen, oder, treffender gesagt, entrüstetes, fassungsloses Entsetzen einer Besucherin angesichts dieser Werkreihe: Ekelhaft, widerlich sei das, sie wolle in einer Ausstellung nicht mit „sowas“ konfrontiert werden.

Für jeden Künstler ein glücklicher Moment, entspann sich doch eine lebhafte Diskussion zwischen mir und mehreren Besuchern und Besucherinnen über eines meiner Werke.

Ohne konkretes Wissen ob der Herkunft der Flecken, der Entstehungsumstände der Serie oder gar meiner damit verbundenen Absichten wurden ganze Vorstellungsketten in Gang gesetzt. Selbst mein Einwand, es könne sich ja auch um „Ersatzflüssigkeit“ handeln, die Objektbeschriftung also lügen, konnte die ganz offensichtliche Provokation nicht entschärfen. Außer Tränen und Blut werden alle Körperflüssigkeiten als unsauber, unrein empfunden. Ihre Verwendung oder Thematisierung in/für Kunst, offensichtlich sogar nur die Vorstellung davon, erregt Widerstände und ruft Ekel hervor.

Ein Blick auf den Titel der Serie hätte die Diskussion vielleicht in andere Bahnen lenken können. Es geht um Memoria, also um Erinnerung. Im Wesen des Menschen liegt es ganz offensichtlich – erst recht, seit es uns die technischen Möglichkeiten in einem noch nie dagesessen Umfang gestatten – die mehr oder weniger kurzen Momente des Glücks dauerhaft festhalten zu wollen. Haarlocken und Milchzähne, die unsere Eltern und Großeltern an unser Aufwachsen erinnern sollten, und die gleichzeitig auch noch fetischhafte Reliquien unserer Existenz waren, werden gegenwärtig von Millionen elektronisch gespeicherter Bilder schöner Sonnenuntergänge, lustiger Partys, inniger Zweisamkeit etc, abgelöst, die einzig und allein der Memoria dienen.

So ist die Serie „Joyful Memory“ ein Dokument für einen Moment des Glücks, zusammen mit den in goldenen, historisierenden Buchstaben aufgesetzten Namen zudem eine Erinnerung. Ein Moment des Glücks, den mann (vielleicht?) nur mit sich selbst geteilt hat. Aber ist „glücklich sein“ nicht immer eine ganz eigene, private, ja intime Empfindung?