Archiv der Kategorie: 2014

Oh wie so trügerisch, sind Weiberherzen….

Seit 2013 arbeiten Peer Boehm und Walter Bruno Brix an einem gemeinsamen Projekt.

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Dies ist die Arie “La donna è mobile” aus der Oper Rigoletto von Guiseppe Verdi. Diesen scherzhaft-provokant gemeinten Titel haben die beiden Künstler ausgewählt, weil in der Serie sich alles um die Herzen der Frauen dreht.

Brix näht aus verschiedenen Stoffen Herzen frei nach dem anatomischen Vorbild und stopft sie aus, so dass die faustgroßen, plastischen Objekte ein rechtes Eigenleben entwickeln.

Peer Boehm malt die Frauen in seiner Technik, bei der Schichten von Bildern in teils transparenten Farben übereinander sitzen. Sein Thema ist unsere Erinnerung, die in ähnlicher Art Schichten hat, die sich überlagern, die teils deutlich sind und manchmal kaum zu verstehen.

Christi Nägel

Auf den Straßen findet man Nägel, rostige, alte aber auch neuere. Diese Nägel werden gesammelt und als „Christi Nägel“ interpretiert. Eine bewusst provizierende Ummünzung. Dabei geht es weniger um eine Kritik an den Reliquien der Kirche, als darum unsere Wahrnehmung in den Fokus zu nehmen. Welche Bedeutung ein Nagel hat, hängt davon ab, als was wir ihn sehen. Einfach nur als einen alten Nagel, als ein unbedeutendes kleines Metallding, oder als eine überaus wertvolle Berührungsreliquie, als Marterwerkzeug für einen Religionsgründer.

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Hummel Pelerine

seit/since 2011

Hummelfell, genäht / bumblebee fur, sewn

work in prozess

Im Frühling findet man unter manchen blühenden Bäumen tote Hummeln, die es nicht mehr zurück in den Stock geschafft haben. Auch im Herbst kann man viele tote Hummeln finden.

Zu schade, sie einfach nur da liegen zu lassen. Sie verrotten und das schöne Fell ist verloren. Besser scheint es, sie zu sammeln. Die kleinen Fellchen werden flach ausgebreitet und zu einer Pelerine zusammen genäht.

Vielleicht kann man auch was aus den Flügeln machen. Ein Fenster vielleicht. Ein dunkles, heimeliges Fenster für all zu sonnige Tage.

Im Januar 2014 kam ein Brief von Christian Hein, einem befreundeten Künstler und darin ein Kästchen mit drei Hummeln. Was für ein wunderbarer Neujahrs-Gruß!

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In spring and in autumn one can find sometimes dead bumblebees underneath certain trees. Found it sad for the small furs to let them rot. They will be sewn together into a pelerine or tippet.

Maybe one could use the wings, too. They are so beatiful. Just for a window for days with to much sunlight……

Haarklammer!!!

work in prozess, started 2010

men’s jacket, whitewashed, with collected bobby pins

Herrenjacke, weiß bemalt, mit gesammelten Haarklammern

Größe/size M

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A collection of bobby pins, found on the street, ‚dropped‘ by women.

A surprising number of these black things usually can be found in the streets. Secretly, quietly, they have worked out of the hair, only to fall to the ground.

Their ends are sometimes decorated with paint drops or plastic, so that women do not scratch their skalp if they push it into the hair. Some are corrugated, so they grip better. But even this seems not to prevent them from slipping out.

The sooner they are found, the more beautiful and smooth the bobby pins are. Sometimes a hair clings on it, usually a long because the short ones probably get lost more quickly. If the longer hair clip on, then it loses its gloss. Someone stepped on, get the paint cracks and scratches and the metal begins to rust.

Most of them are black, rare are the ones in dark brass, very rare are the colorful lacquered ones. I found a pink one. Certainly from a girl who might have been sad, when comming home without. A beautiful, wide clip. When I found it, it must have been down for a while, it is scratched and a bit bent.

On the jacket, the bobby pins are collected as found black and elegant jewels.

The bobby pins are symbols of beauty, but also ensure that your long hair is not hanging in your eyes or is doing unwanted things. The bobby pins have an erotic aspect with them, because they come very close to beautiful women.

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Eine Sammlung von Haarklammern, auf der Straße gefundene, von Frauen ‚abgeworfene‘ Haarklammern.

Eine erstaunlich Anzahl dieser meist schwarzen Dinger finden sich auf der Straße. Heimlich, still und leise haben sie sich aus der Frisur herausgearbeitet, um dann zu Boden zu fallen.

Ihre Enden sind manchmal mit Lacktropfen oder Kunststoff verziert, damit die Frauen sich nicht die Kophaut aufschürfen, wenn sie sie in die Frisur schieben. Manche Klammern sind gewellt, damit sie besser halten. Das nutzt aber nix, von den gewellten findet man auch genug.

Je früher man sie findet, desto schöner und glatter sind die Haarklammern noch. Manchmal hängt ein Haar dran, meist ein langes, die kurzen gehen wohl schneller verloren. Liegt die Haarklammer schon länger, dann verliert sie ihren Glanz. Jemand tritt darauf, der Lack kriegt Risse und Kratzer und das Metall fängt an zu rosten.

Die meisten sind schwarz, seltener welche in dunklem Messington, ganz selten farbig lackierte. Eine pink-farbene fand ich. Gehörte sicherlich einem Mädchen, das nun traurig ist. Eine schöne, breite Klammer. Als ich sie fand, muss sie schon eine Weile gelegen haben, sie ist verkratzt und auch ein wenig verbogen.

An der Jacke werden die Haarklammern gesammelt wie Trophäen, obwohl sie gar keine sind. Es sind gefundene, schwarze und elegante Juwelen.

Die Haarklammern sind Symbole für Schönheit, aber auch dafür, dass man sich die Haare nicht in die Augen hängen lassen will, also für Ordnung. Sie haben einen erotischen Aspekt, weil sie schönen Frauen ganz nahe kommen dürfen.

womens hearts

since 2010

silk, cotton, linen, artificial fibers

stitched and stuffed

nearly anatomical shape in natural size (the human heart has approximately the size of clenched fist)

work hands

work in progress, since 2008

Arbeits-Handschuhe, auf der Straße gefunden – working gloves, found in the street

size variabel, ca. 200 x 550 cm

Einerseits zeigen uns die Handschuhe die Form der Hand, sind Hülle und Schutz. Anderseits kann man aber auch den Handschuh, bzw. die Gruppe der Handschuhe als eine abstrakte Form wahrnehmen, als Komposition.

Es gibt sehr verschiedenen Arbeitshandschuhe. Solche aus Leder und Stoff aufwendig genähte, manchmal ist es echtes, oft auch Kunstleder. Dann gibt es eine neuere Art von Arbeitshandschuhen und zwar welche aus Strick, meist Baumwolle, die mit Gummi-Punkten bedruckt wurden oder die man in eine Gummi-Flüssigkeit eintauchte. Die Farbigkeit verändert die Wahrnehmung der Form.

Ein weiterer Aspekt macht die Handschuhe als Individuen interessant. Sie finden sich in allen möglichen Zuständen, es gibt kaum benutzte, die wohl wirklich vom Laster gefallen sind und welche die schon länger liegen, schmutzig, manche mit Pflanzen bewachsen und von Tieren bewohnt. (Diesen lasse ich natürlich genug Zeit, sich eine andere, adäquate Bleibe zu suchen, bevor ich den Handschuh mitnehme.)

In unserer westlichen Gesellschaft gilt körperliche Arbeit weniger als geistige. Eine absurde Fehleinschätzung. Im Tun liegt Intelligenz, die nicht mit den gleichen Fragen zu ergründen und zu messen ist, wie die geistige Intelligenz. Überhaupt stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist Intelligenz mit Fragen zu messen, für die nur bestimmte Antworten gewertet werden können.