Archiv der Kategorie: Töchter und Frauen

Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein

2010

each ca. 170 x 70 cm

cotton with stitching and applicque

nach einem Märchen der Gebrüder Grimm

Eine Frau hat drei Töchter: Einäuglein hat nur ein Auge, Zweiäuglein zwei, und Dreiäuglein hat drei Augen. Zweiäuglein wird von den anderen schlecht behandelt, weil es aussieht wie andere Menschen. Als es einmal beim Hüten der Ziege hungrig auf einem Hain sitzt und weint, erscheint ihm eine weise Frau, die ihm verrät, wie es zur Ziege einen Spruch sagen und feines Essen bekommen kann. Der Spruch lautet: „Zicklein, meck, Tischlein, deck!“ Sobald sie satt sei, solle sie aber sagen „Zicklein, meck, Tischlein, weg!“

Als Zweiäuglein, so gesättigt, daheim nichts isst, geht Einäuglein mit ihr zum Hüten, um den Grund herauszufinden. Es gelingt Zweiäuglein zwar, Einäuglein in den Schlaf zu singen, bevor es seinen Spruch sagt, dasselbe misslingt ihm aber Tags darauf bei Dreiäuglein, denn sie vergisst, auch das dritte Auge in den Schlaf zu singen. Dreiäuglein verrät das Geheimnis der Mutter, und diese bringt aus Neid die Ziege um. Als Zweiäuglein ob des Verlusts weint, erscheint wieder die weise Frau und rät ihr, die Eingeweide der Ziege vor der Haustür zu vergraben. Am nächsten Morgen ist an dieser Stelle ein Baum mit silbernen Blättern und goldenen Äpfeln gewachsen. Zweiäuglein kann als einziges die Äpfel vom Baum pflücken, aber die Mutter dankt es ihr nicht, nimmt sie ihr ab und behandelt sie noch härter als zuvor.

Ein junger Ritter kommt zu dem Baum, aber die Schwestern verstecken Zweiäuglein in einem Fass. Als der Ritter sie fragt, wem der Baum gehöre, behaupten sie, es sei ihrer. Es gelingt ihnen aber nicht, dem Ritter Früchte oder Zweige davon zu brechen. Aus ihrem Gefängnis rollt Zweiäuglein goldene Äpfel vor die Füße des Ritters. Dieser bemerkt es, lässt es hervorholen, und bezaubert von Zweiäugleins Schönheit nimmt er es mit und heiratet es. Mit Zweiäuglein verschwindet auch der Baum.

Als lange Zeit später zwei Bettlerinnen vor dem Schloss erscheinen, erkennt Zweiäuglein in ihnen ihre bösen Schwestern. Trotz allem Bösem, das sie ihm angetan haben, nimmt sie sie auf, worauf die beiden Schwestern ihre bösen Taten bereuen. (wikipedia)

(wikipedia in English here)

das Tuch der drei Grazien

2009/10

verschiedene Stoffe, von Hand zusammen genäht, bestickt

ca. 250 x 250 cm

Die Chariten (Χάριτες Chárites, Singular Charis) sind in der griechischen Mythologie Göttinnen der Anmut, die mit Aphrodite in Verbindung stehen und entsprechen in der römischen Mythologie den drei Grazien, gratiae.

Sie sind Töchter des Zeus und der Eurynome und heißen Euphrosyne („Frohsinn“), Thalia (auch Thaleia, „Festfreude“) und Aglaia („die Glänzende“). Die drei Chariten bzw. Grazien waren ein beliebter Gegenstand der bildenden Kunst und wurden meist unbekleidet, sich gegenseitig berührend oder umarmend dargestellt. Eines der bekanntesten Gemälde – „Drei Grazien“ (Chantilly, Musée Condé) – ist von Raffael. (wikipedia)

Die Darstellung auf dem großen Tuch stützt sich auf ein Bild der drei Grazen von Lucas Cranach dem Ältern (1472-1553). Allerdings ist eine der drei Frauen, bei Cranach mit einem fast unnatürlichen Hohlkreuz ausgestattet, hier gegen eine ‚Eva‘ von dem gleichen Maler ausgewechselt.

Laurie Anderson

2009

Tee und genäht auf Baumwolle

130 x 120 cm

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Laurie ist eine Quelle der Inspiration und ein Vorbild seit den 80ern und 90ern. Ihre Stimme, die in ironisch fragendem Ton Geschichten erzählte; Geschichten, die ganz anders waren, als das was man kannte. Neu aus Bruchstücken zusammen gesetzt, warfen sie ein Licht auf eigene unklare Vorstellungen.

Laurie hat eine Schönheit, die nicht einem gängigen Ideal entspricht. Sie ist in einer eigenen Welt schön, eine Königin, eine Zauberin. Natürlich ist sie auch in unserer Welt schön, aber sie hat auch immer diesen Ausdruck von ‚mockery‘ – von leichtem Spott in ihrem Lächeln. Ein Spott, der auch traurig ist und die Zerbrechlichkeit unserer Welt verdeutlicht.

The Ugly one with the Jewels

„In 1974, I went to Mexico to visit my brother who was working as an anthropologist with Tsutsil Indians, the last surviving Mayan tribe. And the Tsutsil speak a lovely birdlike language and are quite tiny physically; I towered over them. Mostly, I spent my days following the women around since my brother wasn’t really allowed to do this. We got up at 3am and began to separate the corn into three colors. And we boiled it, ran to the mill and back, and finally started to make the tortillas. Now all the other women’s tortillas were 360°, perfectly toasted, perfectly round; and after a lot of practice mine were still lobe-sided and charred. And when they thought I wasn’t looking they threw them to the dogs.
After breakfast we spent the rest of the day down at the river watching the goats and braiding and unbraiding each other’s hair. So usually there wasn’t that much to report. One day the women decided to braid my hair Tsutsil-style. After they did this I saw my reflection in a puddle. I looked ridiculous but they said, „Before we did this you were ugly, but now maybe you will find a husband.“
I lived within in a yurt, a thatched structure shaped like a cob cake. And there’s a central fireplace ringed by sleeping shelves sort of like a dry beaver down. Now my Tsutsil name was Lausha, which loosely translated means the ugly one with the jewels. Now ugly, OK, I was awfully tall by local standards. But what did they mean by the jewels? I didn’t find out what this meant until one night, when I was taking my contact lenses out, and since I’d lost the case I was carefully placing them on the sleeping shelf; suddenly I noticed that everyone was staring at me and I realized that none of the Tsutsil had ever seen glasses, much less contacts, and that these were the jewels, the transparent, perfectly round, jewels that I carefully hid on the shelf at night and then put for safekeeping into my eyes every morning.
So I may have been ugly but so what? I had the jewels.
Full fathom thy father lies
Of his bones are coral made
Those are pearls that were his eyes
Nothing of him that doth fade
But that suffers a sea change
Into something rich and strange
And I alone am left to tell the tale
Call me Ishmael….“

Laurie Anderson

Laura und Anna

2009

Baumwolle, Seide

genäht

jeweils ca. 150 x 70 cm

Anna von Basel war die Tochter von Hans Meyer zum Hasen, der von 1516-21 Bürgermeister der Stadt Basel war. Sie ist bekannt, weil sie auf dem heute berühmten Bild „Darmstädter Madonna“ von Hans Holbein abgebildet ist, das ihr Vater in Auftrag gab. Darauf ist sie dargestellt in einem weißen Kleid, mit kostbaren Borten in Gold- und sog. Hohlbein-Stickerei. Ihre geflochtenen Haare sind mit einem sog. Jungfernschapel, einem ebenfalls reich bestickten, breiten Band auf dem Kopf befestigt. Diese Kopfbedeckung trugen damals junge Frauen ab dem 15ten Lebenjahr zum Kirchgang.

Laura von Köln ist eine junge Frau aus der heutigen Zeit. Sie ist 16 Jahre alt, noch in der Schule und machte zum Zeitpunkt der Zeichnung ein Praktikum.

Aufschlussreich wirken die deutlichen Gegensätze, aber auch die Ähnlichkeiten zwischen den beiden jungen Frauen. Beider Blick ist in eine Welt versunken, in die wir keinen Zutritt haben. Anna jedoch kniet und hält in ihren Händen den Rosenkranz. Ihre Frisur und Kleidung betonen, dass sie aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung und als junge Frau wenig Freiheit erlebt. Laura dagegen sitzt lässig auf einem Stuhl und ihre Kleidung und ihr offenes Haar machen deutlich, wie viel mehr Freiheit ihr erlaubt ist.

bei der Arbeit

2009

Baumwolle, Garn, Tusche

genäht

ca. 100 x 60 cm

arbeit

Die Zeichnung in Tusche und Faden auf der Schürze geht zurück auf ein Foto aus den 1930er Jahren, das ein Frau zeigt, die Äpfel schält.

Drei schneiden

2008/9

Chinese paper, graphite, silk, linen, pins

ca. 170 x 250 cm

drei-schneiden

Detail–             –Detail

Die drei Zeichnungen zeigen junge Frauen beim Äpfel schälen. Inspiriert wurden die Grafiken durch Fotografien von Frauen aus den 1930er Jahren in einer ehemaligen Hauswirtschaftsschule in Lindlar bei Köln. Der Fotograph hat die jungen und hübschen Frauen auf Stühlen im Vordergrund plaziert, während die anderen Frauen im Hintergrund stehen. Interessant ist, dass fast alle jungen Frauen den Blick auf ihre Arbeit richten, nur eine blickt den Betrachter, bzw. den Fotografen an.

Die Haltung der Frauen erinnert an Situationen in Märchen. Da gibt es beispielsweise gute Mädchen, die bei ihrer Arbeit Hilfe von den Vögeln bekommen. Und die Vögel kennen keine Scheu, weil sie wissen, dass das Mädchen es gut mit ihnen meint.

In der Arbeit sind die Vögel aus bedruckter rosa Seide (auf festes Leinen kaschiert) geschnitten. Sie werden mit Nadeln vor die Zeichnungen gesteckt, so dass sie einen Schatten werfen. Das chinesische Papier der Bleistiftzeichnungen hat eine Struktur aus eingeschöpften Algenstreifen, die an geschnittenes Gras erinnern.

Martyr women

Benazir Bhutto

2008, cotton damask, wool, stitched

ca. 240 x 100 cm

benazir bhutto

Benazir Bhutto (urdu بینظیر بھٹو‎ [beːnəziːr bʱʊʈːoː]; * 21. Juni 1953 in Karatschi, Provinz Sindh; † 27. Dezember 2007 in Rawalpindi, Provinz Punjab) war eine Politikerin in Pakistan. Sie war von 1988 bis 1990 und von 1993 bis 1996 Premierministerin von Pakistan. Nachdem sie im Oktober 2007 aus ihrem Exil in Dubai zurückgekehrt war, etablierte sie sich als Oppositionsführerin, wurde jedoch zwei Wochen vor der geplanten Parlamentswahl bei einem Attentat getötet. (wikipedia)

Zhang Zhixin

2008, Damastgewebe, Kunstfaser, Seide, genäht – damask, artificial fiber, silk, stitched

105 x 75 cm

Zhang Zhixin; (December 5, 1930 – April 4, 1975) was a dissident during the Cultural Revolution who became famous for criticizing the idolization of Mao Zedong and the ultra-left. She was imprisoned for six years (1969 to 1975) and tortured, then executed, for having opposing views while being a member of the Communist Party of China. A second party member who had expressed agreement with Zhang was sentenced to 18 years in prison.

Although many consider her a heroine among the people for standing up to the party, her experience is also a reminder of the potential punishment for deviating from party principles.

It is possible that she had serious mental problems in her final days. She did not consider herself anti-communist, but rather a „true Marxist“ for whom Mao had distorted the communist cause. Even in prison, she insisted she was a member of the Communist Party of China. Many of her points of view were similar to those of the Communist leaders who succeeded Mao. For this reason, she was rehabilitated by Hu Yaobang and recognized as a revolutionary martyr, a model communist. (wikipedia)

Aung San Suu Kyi

2010, thread on damask, stitched

105 x 140 cm

Aung San Suu Kyi Burmese: AungSanSuuKyi1.png; (born 19 June 1945) is a Burmese opposition politician and General Secretary of the National League for Democracy.

In the 1990 general election, Suu Kyi was elected Prime Minister, as leader of the winning National League for Democracy party, which won 59% of the vote and 394 of 492 seats. She had, however, already been detained under house arrest before the elections. She has remained under house arrest in Myanmar for almost 14 out of the past 20 years.

Suu Kyi was the recipient of the Rafto Prize and the Sakharov Prize for Freedom of Thought in 1990 and the Nobel Peace Prize in 1991. In 1992 she was awarded the Jawaharlal Nehru Award for International Understanding by the Government of India.

She is frequently called Daw Aung San Suu Kyi; Daw is not part of her name, but is an honorific similar to madam for older, revered women, literally meaning „aunt“. Her name is derived from three relatives; „Aung San“ from her father, „Kyi“ from her mother and „Suu“ from her grandmother. Strictly speaking, she has no surname, but it is acceptable to refer to her as „Ms. Suu Kyi“ or „Dr. Suu Kyi“, since those syllables serve to distinguish her from her father, General Aung San, who is considered to be the father of modern-day Burma. (wikipedia)

Der Schleier der Venus/Lucretia

2008

transparenter Wollstoff (Mousselin), Faden aus Papier (Japan), Baumwoll- und Leinengarn, auf doppelten Keilrahmen

genäht

Die Serie bildet ein Pendant zu den Lendentüchern Christi. Steht dort ein Textil am männlichen Körper im Mittelpunkt, ist es hier der weibliche Körper, der mit einem Textil gezeigt wird.

Die Gemälde, im Original von Vater und Sohn Cranach (Lucas Cranach der Ältere, 1472–1553; Lucas Cranach der Jünger,1515–1586) zeigen sehr junge Frauen, fast noch Mädchen. In der Zeit von Cranach wurde der Mensch ganz anders gesehen und die Zeit der Kindheit und Jugend ist unserer heutigen Anschauung in keinster Weise vergleichbar.

Cranach hat viele Venus-Bilder und auch einige Lucretias gemalt. Ziemlich oft mit dem gleichen Modell. Die junge Frau in den Bildern ist sehr verführerisch dargestellt. Kein Wunder, Venus ist die Göttin der Liebe! Das Modell und der Maler haben Positionen gefunden, in denen die Unschuld und Unberührtheit eines Mädchens und die Verlockungen einer Frau zu einem provokanten Ausdruck verschmelzen.

Dient bei den ‚männlichen‘ Lendentüchern das Textil dazu, die Scham zu verbergen, ist es hier im Gegensatz dazu Teil der Verlockung. Venus hält es auffordernd vor den Körper oder klemmt es kokett unter dem Arm fest, wie Lucretia, die auch noch ihren Dolch halten muss.

Eine Besonderheit ist die Darstellung der Lucretia. Sie war eine römische junge Frau des 6. Jh. v. Chr., berühmt für ihre Schönheit und noch mehr für ihre Tugendhaftigkeit. Nach einer Vergewaltigung tötete sie sich selbst vor den Augen ihres Vaters und ihres Ehemannes.

Frau Merula

Die Merula gehört zu den weiblichen Menschen, stellt allerdings eine eigene Gattung dar, erkennbar an ihrer Kleidung und Haartracht. Ihr Verbreitungsgebiet ist weltweit. Die Merula ist äußerst wortkarg und nimmt kaum Kontakt mit ihrer Umgebung auf. Allerdings führen manche Merula Selbstgespräche, die durchaus exzessiven Charakter annehmen können. Sie ist ein gesellschaftliches Randphänomen, das bisher wenig untersucht wurde.

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Frau Merula hat eine eigene facebook Seite

Vorkommen:

Durch ihre sehr zurückgezogene Lebensweise und ihr unauffälliges Äußeres wird die Merula von anderen Menschen kaum wahrgenommen. Sie ist jedoch auf der ganzen Welt, vor allem in kleinteiligen ländlichen Gebieten, verbreitet. In der Stadt lebt sie meist am Stadtrand, aber auch in Altbau-Wohnungen im Zentrum.

Lebensweise:

Die Merula lebt grundsätzlich allein, ohne Partner und ohne Familie. Merula haben prinzipiell niemals männliche Partner, sie können allerdings Witwe sein oder in früheren Zeiten einen Verlobten oder ein „Gschpusi“ gehabt haben. Es dürfte durchaus auch einen Anteil lesbischer Merula geben, durch die zurückgezogene Lebensweise ist eine Überprüfung jedoch äußert schwierig. Eine Frau in einer Partnerschaft gehört äußert selten zur Gattung Merula, wenn, dann ist diese Beziehung meist schon in Auflösung begriffen.

Die Merula hat soziale Kontakte vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Allerdings nicht mit ihren eigenen Kindern, sofern sie welche hat, sondern mit Kindern aus der nachbarschaftlichen Umgebung. Manche Merula lädt die Kinder zu sich nach Hause ein und gibt ihnen süße Speisen und Bonbons zu essen.

Es gibt Berichte, wonach sich in Einzelfällen die Merula sehr intensiv um Kinder gekümmert, ja diese sogar in der eigenen Wohnung aufgezogen hat. Dies scheint jedoch eine Ausnahme zu sein.

Die Merula gibt es auch in einer kinderfeindlichen Unterart. Sie beschimpft dann die Kinder, meist von einem Fenster ihres Hauses aus. Sie versucht beständig, deren Spiele und Lautäußerungen zu unterbinden.

Lebensspanne:

Die Lebenszeit der Merula ist sehr unterschiedlich. Merula können sehr alt werden, sehen allerdings praktisch immer so aus, als wären sie schon steinalt. Auch hier liegen keine verlässlichen Zahlen bzw. Studien vor.

Eine Alterseinschätzung der Merula anhand ihres Aussehens ist praktisch unmöglich, weil sie stets die ihr eigene Tarnkleidung und eine entsprechende Haartracht trägt.

Aussehen:

Die Merula sieht grundsätzlich wie eine alte Frau aus, unabhängig von ihrem tatsächlichem biologischen Alter. Sie ist, gemessen an den gesellschaftlichen Standards, eher unattraktiv. Die Merula ist wenig an ihrem Äußeren und an ihrer Außenwirkung interessiert. Allerdings steckt dahinter Methode, d. h. sie gestaltet ihr Äußeres absichtlich in sehr unauffälliger Weise, unterstreicht damit aber gleichzeitig auch ihre ungewöhnliche Erscheinung.

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Kleidung und Haartracht:

Die Merula ist grundsätzlich nach der Mode einer vergangen Zeit gekleidet. Sie hat oft über die Jahre hin den Stil ihrer Jugend beibehalten, manchmal kleidet sie sich auch wie ihre Mutter, bzw. Großmutter.

Grundsätzlich ist die Merula ungewöhnlich gekleidet. Allerdings auf eine in sich konsistente Art. Der unaufmerksame Betrachter bemerkt dies meist nicht, bei näherem Hinsehen kann man jedoch feststellen, dass manche der Kleidungsstücke sehr ungewöhnlich, ja in sich gesehen sogar schön sind.

Arbeit:

Viel der Merula gehen nicht mehr arbeiten. Sie sind aufgrund ihres Alters aus dem aktiven Arbeitsleben ausgeschieden. Auch wären die meisten Arbeiten nur schwierig durchzuführen, da die Merula ungern Kontakt mit anderen Menschen aufnimmt.

Es gibt allerdings Merula, welche arbeiten gehen. Sie machen schwere Feldarbeit, gehen putzen, führen einen Haushalt oder betreuen Kinder.

Freizeit:

Die Merula ist eher traditionell-reaktionär orientiert, d. h. sie geht auf Schützenfeste, Kirchweihen und ähnliche in den Bräuchen der Gegend verwurzelte Veranstaltungen. Aber sie pflegt dabei kaum persönliche Freundschaften mit erwachsenen Personen. Sie sitzt allein, trinkt dabei gern Bier oder ein anderes Getränk, nimmt aber nicht an Tänzen oder Gesellschaftsspielen teil.

Die meiste Zeit verbringt die Merula in ihrem engeren häuslichen Umfeld, wo sie auf einer Couch oder einem Sessel sitzt und vor sich hin starrt. Es kommt auch vor, das die Merula in einer Illustrierten liest. (siehe Bildung)

Ungewöhnlicherweise gibt es auch Merula, die aus ihrem vorigen Leben sportliche Ambitionen beibehalten haben und diese nun als Gymnastik in den eigenen Räumen ausüben.

Bildung:

Über den Bildungsstand der Merula liegen wiederum keine gesicherten Werte vor. Teils handelt es sich um Frauen aus sehr einfachen Verhältnissen, aber auch Angehörige höherer Gesellschaftsschichten können eine Merula werden. Wenn sie Merula sind, dann lesen sie nur noch Illustrierte, wie „Das Goldene Blatt“ oder eine Fernsehzeitung. Manche Merula füllen Kreuzwort-Rätsel aus. Ihrer Mimik ist währenddessen allerdings nicht zu entnehmen, ob sie dabei Freude oder Befriedigung empfinden.

Fortpflanzung:

Da die Merula grundsätzlich keine männlichen Partner akzeptiert und sie auch meist ein fortgeschrittenes biologisches Alter hat, ist für die Merula selbst keine Fortpflanzung möglich.

Jedoch kann sich aus fast jeder Person eine Merula entwickeln. Dazu kann es durch unterschiedliche persönliche Voraussetzungen und Entwicklungen im Laufe des Lebens kommen. Die Entstehung einer Merula ist nicht bis ins letzte Detail geklärt und in diesem Gebiet ist noch viel Forschung nötig.

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(Frau Merula gibt es seit 2007)

yiren

2007

monotype print with white ink and pigment on sheer silk

each 130 x 60 cm

Ausgangspunkt waren Fotos von 100-jährigen japanischen Frauen. Ihre Körperformen nähern sich denen von kleinen Kindern. Beine und Arme werden dünner, der Rumpf voluminöser, der Kopf im Verhältnis scheint auch größer. Es entsteht eine eigene, nicht augenfällige, sondern versteckte Schönheit, die sich erst erschließt, wenn man sich darauf einlässt.

Die Original-Fotos sind meist klein, die Bilder sollen die Körperlichkeit dieser Frauen wieder erlebbar machen. Deshalb sind die Monotypien praktisch in Lebensgröße wiedergegeben. Die Frauen waren klein, alle unter ein Meter fünfzig, auch dies verstärkt noch die kindliche Anmutung.

Die weißen Schatten schweben wie Geister auf der transparenten Seide im leichtesten Windzug.